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"Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!" (Kurt Tucholsky)

 
Um den Sachverstand ist es beim »Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung« nicht gut bestellt: Die »durchschnittliche Steuerbelastung für Unternehmen« setzen die »Fünf Weisen« für Deutschland mit 37,2 Prozent an, um danach eine steuerliche Spitzenbelastung im Rahmen der EU zu konstatieren. Die Zahlen mögen stimmen, wenn man die formellen Steuersätze - 25 Prozent Körperschaftsteuer und etwa 12 bis 13 Prozent Gewerbeertragsteuer - addiert. In keinem anderen Industrieland der Welt sind jedoch die Steuervermeidungsmöglichkeiten und damit die Diskrepanz zwischen nominalen und realen Steuersätzen so groß wie in Deutschland. Die effektive Besteuerung von Konzerngewinnen macht nur einen Bruchteil der nominalen Steuersätze aus. Die EU-Kommission kommt denn auch zu einem ganz anderen Ergebnis. Mitte vergangenen Jahres legte sie eine vergleichende Betrachtung der steuerlichen Belastung der »Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit« vor. Dem »Produktionsfaktor Kapital« wurden dabei Gewinn- und Ertragsteuern sowie Vermögen- und Grundsteuern zugerechnet. Die Daten widerlegen die Mär von der hohen Besteuerung von Unternehmen und Kapital in Deutschland. Mit 22,6 Prozent Gesamtbelastung ist Deutschland - mit Ausnahme des Sonderfalls Griechenland - das EU-Mitgliedsland mit der niedrigsten Steuerbelastung des Faktors Kapital unter allen fünfzehn Mitgliedsländern. Es liegt weit unter dem EU-Durchschnitt von 29,8 Prozent.

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