Soziologische Anmerkungen zu Kurt Becks Unterschichtenproblem
[Rudolf Stumberger in Telepolis]
Wenn die Politik auf "Werte" setzt, wird es in den unteren Etagen der Sozialstruktur meist ungemütlich. Denn "Werte" - also Innerliches - sind dann der Ersatz für Reales - also Äußerliches - wie soziale Leistungen. Auch die jüngste Ermahnung des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, den Unterschichten fehle es an sozialen Aufstiegswillen, passt in diesen Rahmen. Nicht an realen Arbeitsplätzen und sozialen Chancen mangele es, sondern eben am "Willen". Für den ist aber nicht die Politik, sondern der Einzelne zuständig.
Wenn der Arbeitersohn Kurt Beck seinen eigenen sozialen Aufstieg als Maßstab nimmt, unterschlägt er allerdings die völlig anderen Bedingungen, die in den 1960er Jahren - als er seine Ausbildung zum Elektromechaniker machte - im Vergleich zu heute herrschten. Soziologen sprechen für diesen Zeitraum von einer "Öffnung des sozialen Raumes". Vollbeschäftigung und erweiterte Bildungschancen boten in der Tat für Strebsame soziale Aufstiegschancen. Heute hingegen spricht man von einer Schließung des sozialen Raumes: Die Aufstiegsmöglichkeiten sind trotz besser Bildung blockiert - die Generation Praktikum lässt grüßen -, und die Ängste vor dem sozialen Absturz sind groß, wie die jüngste Shell-Jugendstudie zeigte.
weiter:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23735/1.html
[Rudolf Stumberger in Telepolis]
Wenn die Politik auf "Werte" setzt, wird es in den unteren Etagen der Sozialstruktur meist ungemütlich. Denn "Werte" - also Innerliches - sind dann der Ersatz für Reales - also Äußerliches - wie soziale Leistungen. Auch die jüngste Ermahnung des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, den Unterschichten fehle es an sozialen Aufstiegswillen, passt in diesen Rahmen. Nicht an realen Arbeitsplätzen und sozialen Chancen mangele es, sondern eben am "Willen". Für den ist aber nicht die Politik, sondern der Einzelne zuständig.
Wenn der Arbeitersohn Kurt Beck seinen eigenen sozialen Aufstieg als Maßstab nimmt, unterschlägt er allerdings die völlig anderen Bedingungen, die in den 1960er Jahren - als er seine Ausbildung zum Elektromechaniker machte - im Vergleich zu heute herrschten. Soziologen sprechen für diesen Zeitraum von einer "Öffnung des sozialen Raumes". Vollbeschäftigung und erweiterte Bildungschancen boten in der Tat für Strebsame soziale Aufstiegschancen. Heute hingegen spricht man von einer Schließung des sozialen Raumes: Die Aufstiegsmöglichkeiten sind trotz besser Bildung blockiert - die Generation Praktikum lässt grüßen -, und die Ängste vor dem sozialen Absturz sind groß, wie die jüngste Shell-Jugendstudie zeigte.
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frederic - am Montag, 30. Oktober 2006, 11:19 - Rubrik: Prekarisierung


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