Die gestrige Sendung von Anne Will konnte man sich ausnahmsweise anschauen, weil die Moderatorin sich diesmal bemühen musste, nicht wie sonst zu sämtlichen Katastrophenmeldungen ein bestgelauntes Grinsen aufzusetzen. Was man sich die folgenden 60 Minuten dann als Zuschauer antun musste, war allerdings wie immer jenseits des Erträglichen. Da wurde der Zuschauer eigentlich zum Abdrücken mit der Fernbedienung verleitet: Brandenburgs Innenminister und bekannter CDU-Hardliner, Jörg Schönbohm, verurteilte vorschnelle Lösungen der Politik, brachte dann aber doch seine unvermeidlichen Computerspiele als Beispiel dafür, wie komisch die heutige Jugend sei, andererseits meint er, Schützenvereine würden Jugendliche "verantwortungsvoll an Waffen heranführen", der Publizist Hajo Schumacher will gar den Feminismus als Ursache jungmännlicher Amokläufe sehen. Mehrere Sendungsgäste nehmen die Eltern in Schutz - wohlgemerkt: ein Vater der zu Hause Waffen und Munition unverschlossen lagert, obwohl er weiß, dass sein Sohn psychische Probleme hat! Vereinsschützen durften ihr "Hobby" als Sport wie jeden anderen präsentieren. Das einzig gute stellte noch das Schlusswort der Elternbeiratsvorsitzenden des Nachbargymnasiums, Kathrin Kopriva, dar: Wenn der Junge nicht an Waffen rangekommen wäre, hätte er auch keinen Amoklauf verüben können.



